Warum STEP 5 zum Risiko wird

STEP 5 war jahrzehntelang der Standard in der SPS-Programmierung. Viele Anlagen, die in den 80er und 90er Jahren in Betrieb genommen wurden, laufen bis heute mit S5-115U, S5-135U oder S5-155U Steuerungen. Technisch funktionieren sie einwandfrei. Das Problem liegt woanders:

Das Risiko steigt mit jedem Jahr: Ein Ausfall der CPU bedeutet Produktionsstillstand — und die Ersatz-CPU liegt vielleicht bei einem Händler in Polen, mit 3 Wochen Lieferzeit.

Was bei einer Migration passiert

Eine Migration von S5 auf TIA Portal ist kein simples „Format konvertieren“. STEP 5 (AWL, KOP, FUP) und TIA Portal (S7-1500) unterscheiden sich fundamental in Datentypen, Speicherstruktur, Adressierung und Programmarchitektur. Die Migration läuft typischerweise in vier Phasen:

Phase 1: Analyse & Migrationsplanung (3–5 Tage)

Alles beginnt mit Ihren vorhandenen Unterlagen. Wir benötigen: S5-Projektdateien, Schaltpläne, I/O-Belegungslisten, Funktionsbeschreibungen und wenn vorhanden Querlisten. Auf dieser Basis analysieren wir die Programmstruktur, identifizieren komplexe Logiken und erstellen einen detaillierten Migrationsplan — inklusive Zielarchitektur, Zeitschiene und Risikobewertung.

Wichtig: Wir arbeiten ausschließlich auf Basis Ihrer vorhandenen Dokumentation. Wir kommen nicht vor Ort, um Programme aus laufenden Steuerungen auszulesen. Sie stellen die Unterlagen digital bereit — wir liefern den migrierten Code.

Phase 2: Code-Migration & Optimierung (1–3 Wochen)

Die eigentliche Übersetzung des Codes. Standardmuster (einfache Verknüpfungslogiken, Timer, Zähler) lassen sich teilautomatisiert konvertieren. Komplexe Logiken — Sonderfunktionsbausteine, Analogwertverarbeitung, Kommunikationsbausteine — werden manuell übersetzt und dabei für die Möglichkeiten der S7-1500 optimiert.

Typische Optimierungen bei der Migration:

Phase 3: Simulation & Validierung (3–5 Tage)

Das migrierte Programm wird in der Simulationsumgebung von TIA Portal (PLCSIM Advanced) getestet. Wir validieren jede Funktion gegen das dokumentierte Originalverhalten — Normalbetrieb, Fehlerzustände, Grenzwerte, Zeitverhalten. Sie erhalten einen Testbericht mit den Ergebnissen.

Phase 4: Übergabe & Remote-Support

Sie erhalten das fertige TIA-Portal-Projekt, vollständig dokumentiert und getestet. Ihr Integrator oder Ihre Elektrofachkraft lädt das Programm auf die neue S7-1500 Hardware. Bei der Inbetriebnahme unterstützen wir per VPN-Fernzugriff beim Debugging, bei der Parametrierung und bei der Feinjustage.

Typische Fallstricke

Fehlende oder veraltete Dokumentation

Das größte Risiko bei jeder S5-Migration ist nicht die Technik, sondern die Dokumentation. Wenn das S5-Programm in den letzten 20 Jahren mehrfach geändert wurde und die Querlisten nicht mitgepflegt wurden, fehlt die Grundlage für eine saubere Migration. In solchen Fällen ist es wichtig, den Umfang ehrlich einzuschätzen — und lieber eine gründliche Analysephase einzuplanen.

Unterschiedliche Zykluszeiten

Die S7-1500 ist deutlich schneller als die S5. Was erstmal gut klingt, kann zu Problemen führen: Zeitkritische Abfragen, die auf bestimmte Zykluszeiten ausgelegt waren, verhalten sich möglicherweise anders. Das muss in der Simulation sorgfältig geprüft werden.

CE-Konformität bei Sicherheitsfunktionen

Wenn die S5-Steuerung Sicherheitsfunktionen übernimmt (Not-Aus, Schutztürverriegelung, sichere Geschwindigkeitsüberwachung), kann die Migration eine wesentliche Veränderung im Sinne der EU-Maschinenverordnung 2023/1230 darstellen. In solchen Fällen ist eine CE-Konformitätsbewertung durch einen zertifizierten Partner erforderlich.

Warum Remote-Migration funktioniert

Die Frage kommt häufig: Kann man eine SPS-Migration wirklich remote durchführen? Die Antwort ist: Ja — für den Großteil des Prozesses.

Analyse, Migrationsplanung, Code-Übersetzung und Simulation finden komplett am Rechner statt. Dafür müssen wir nicht vor Ort sein — wir brauchen Ihre Unterlagen digital, nicht physisch. Nur die finale Inbetriebnahme (Programm auf die Hardware laden, I/Os prüfen, Anlage freifahren) muss jemand vor Ort machen — Ihr eigener Integrator, Elektriker oder ein lokaler Partner.

Das spart erhebliche Kosten: Keine Reise- und Hotelkosten, keine Wartezeiten auf Terminverfügbarkeit, keine Überstundenzuschläge für Vor-Ort-Einsätze.

Was eine Migration typischerweise kostet

Die Kosten hängen stark vom Umfang des S5-Programms ab — Anzahl der Bausteine, Komplexität der Logik, Qualität der Dokumentation. Als grobe Orientierung:

Projektumfang Typische Dauer Anhaltswert
Klein (Einzelmaschine, <50 Bausteine) 2–3 Wochen 3.000–6.000 €
Mittel (Anlage, 50–200 Bausteine) 4–8 Wochen 8.000–18.000 €
Groß (Fertigungslinie, >200 Bausteine) 8–16 Wochen Individuelle Kalkulation

Diese Werte sind Richtwerte für die reine Software-Migration (remote). Hardware-Kosten (S7-1500 CPU, I/O-Module, Verkabelung) und die Vor-Ort-Inbetriebnahme durch Ihren Integrator kommen dazu.

Fazit

Eine S5-Migration auf TIA Portal ist kein Notfall-Projekt — aber je länger Sie warten, desto teurer und riskanter wird es. Ersatzteile werden knapper, Fachpersonal für S5 wird seltener, und das Risiko eines ungeplanten Produktionsstillstands steigt. Der beste Zeitpunkt für eine Migration ist, wenn die Anlage noch läuft und die Dokumentation noch greifbar ist.

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